Josef Griesbauer ist in den vergangenen Wochen viel herumgekommen. Viel mehr als der Schüler des Anton-Bruckner-Gymnasium am Ende des Sommers eigentlich geplant hatte. Er sitzt oft im Flugzeug. Nicht nur aus schulischen Gründen, vor allem auch aus sportlichen. Und eines kommt für den 17-Jährigen durchaus überraschend: Die Teilnahme an den World Skate Games in Paraguay.
Griesbauer spielt seit 2021 sehr erfolgreich Inline-Skaterhockey beim IHC Atting, wird 2025 mit der U19 deutscher Meister. Vor einem Jahr aber wird er zu einem Lehrgang der Inlinehockey-Nationalmannschaft der Junioren eingeladen. Beide Sportarten unterscheiden sich nur wenig, aber entscheidend: Puck statt Ball, flachere Tore, größere Spielfläche und fast körperloses Spiel zeichnen Inlinehockey aus. Zeitlich klappt es damals aber nicht.
Im Herbst 2026 aber erreicht ihn eine erneute Einladung, diesmal nach Oberhausen. Doch weil Griesbauer eine Verletzung am Auge für fünf Monate außer Gefecht gesetzt hatte, überlegt er zunächst noch: „Ich bin aber dann doch hingefahren und eine Woche danach kam schon die Rückmeldung, dass ich bei den World Skate Games dabei bin“, erzählt er.
Zunächst geht es aber nicht nach Asunción, sondern nach London im kanadischen Ontario, eine Stadt mit fast 400.000 Einwohnern zwei Stunden entfernt von Toronto. Schon seit einem Jahr ist sein Auslandsaufenthalt geplant, der am 1. September begann. Er besucht dort die High School. Zuhause kümmern sich in der Zwischenzeit die Eltern um die Organisation für die World Skate Games. „Für die WM bin ich dann wieder nach Deutschland geflogen, war drei Tage zuhause in Straubing und dann bin ich mit dem Team nach Paraguay.“ Der Flug geht genau an seinem 17. Geburtstag.
Die Spiele in Paraguay finden von 2. bis 18. Oktober in der Hauptstadt Asunción statt, sie sind die Weltmeisterschaften in zwölf Rollsport-Disziplinen. Mehr als 10.000 Teilnehmer aus 100 Ländern sind dabei. „Es gab eine riesige Eröffnungsfeier, das hat sich fast wie Olympia light angefühlt“, schwärmt Griesbauer nicht nur von der Veranstaltung, sondern auch von der Ehre, für Deutschland auflaufen zu dürfen – noch dazu als Assistenzkapitän. „Es mag jetzt vielleicht etwas komisch klingen, aber wenn man mit dem Deutschlandtrikot spielt, fühlt man sich ganz anders als im Verein. Das war schon einzigartig.“ Immer wieder schaue er sich deshalb gerne die zahlreichen Fotos und Videos an.
Sportlich läuft es durchwachsen. Deutschland gehört im Inlinehockey nicht zu den Top-Nationen. Er spielt deshalb mit seinem Team in der schwächeren Gruppe D, in der es aber drei Siege gegen Indien, Argentinien (hier erzielt er den 3:2-Siegtreffer und wird nach dem Spiel von jungen argentinischen Fans auch um ein Foto gebeten) und Korea gibt. In den Playoffs gegen stärker eingestufte Teams folgen Niederlagen gegen die Slowakei, Brasilien, Kanada und Neuseeland, drei davon mit nur einem Tor Unterschied. Am Ende steht Platz 16 von 19, Griesbauer erzielt sieben Scorer-Punkte.
Nun mag man denken, die Kanadier oder Amerikaner seien auch in diesem Hockey-Sport die weltweite Nummer eins. „Ich bin auch häufig danach gefragt worden“, sagt Griesbauer mit einem Lachen. „Es sind aber die Italiener, Franzosen und Spanier. Dort gibt es ja auch Profiligen.“ Vor allem die Italiener haben ihn fasziniert. „Wie ruhig sie spielen. Wenn sie Druck haben, spielen sie die Scheibe raus, passen und bauen neu auf.“ Anders als im Skaterhockey geht es im Inlinehockey weniger um den direkte Zug zum Tor, sondern um Puckbesitz und den am Ende besten Anspielpartner für den Torabschluss.
In den zwölf Tagen hat sich Griesbauer fast wie ein Profi gefühlt: „Wir sind mit dem Bus zu den Spielen abgeholt worden, hatten einen Physiotherapeuten, der uns durchgeknetet hat und einen Pool auf der Dachterrasse vom Hotel. Wir hatten auch echt eine gute Chemie im Team und haben uns sehr wohl gefühlt.“ Komplettes Profitum geht in dieser Randsportart aber nicht: 700 Euro bezahlt die Familie, den Großteil trägt aber der Verband.
Gespielt wird in zwei Hallen, eine Spielfläche befindet sich direkt im Innenraum einer Radrennbahn mit sehr hoher Decke. „Die Bedingungen waren sehr gut, ich bin gut mit dem Belag zurecht gekommen.“ Auf einer der Spielflächen ist das gleiche Fabrikat verbaut wie in Atting.
Genauso gern erinnert er sich an die Atmosphäre, vor allem den Kontakt zu den vielen internationalen Spielern. „In meinem Zimmer hängt nun ein Argentinien-Trikot und ich habe ein T-Shirt von Taiwan und eine Inlinehockeyhose von Mexiko“, berichtet er von zahlreichen Ausrüstungstauschaktionen. „Wir haben ganz viele nette Leute kennengelernt. Es war cool, als wir mal neben den Kolumbianern beim Essen saßen oder die Franzosen im Aufzug trafen.“ Und einer der kanadischen Spieler lebt zufällig, so wie auch er gerade, in London.
Zur Verteidigung seines Gastgeberlanders erwähnt Griesbauer noch, dass dieses mit einem nur kleinen Kader angereist war. „Ich war zunächst verwundert, weil ich von den Endturnieren im Skaterhockey mehr Spiele gewohnt bin. Aber wenn du an sieben Tagen in Folge ein Spiel machst, kostet das sehr viel Kraft.“ Zudem ist für ihn klar: In Kanada steht Eishockey immer noch an erster Stelle. Das erlebt er nun auch im täglichen Alltag, wo er nun über einen Tryout (!) versucht, ins lokale Schulteam zu kommen. Eigentlich fallen die Entscheidungen dafür schon immer im August. „Es ist also nicht einfach, ein Team zu finden.“ Inlinehockey spielt er aber auch – immer sonntagvormittags mit einigen Erwachsenen. Beer League heißt das dort. Hobbyliga.
Ein Einblick in eine andere Liga könnte ihn erwarten, wenn er Anfang Februar zurück in Deutschland ist. Mit vielen Erinnerungen und Erfahrungen im Gepäck. Beim IHC Atting ist er im letzten Juniorenjahr. Fabian Hillmeier, Kapitän der Attinger Herrenmannschaft, hat ihn aber vor längerer Zeit schon für die dann bereits laufende Vorbereitung auf die neue Saison in der 1. Skaterhockey-Bundesliga eingeladen.