Die Stimmung war merklich getrübt. Nach der Partie gegen die Bissendorfer Panther saßen die Spieler des IHC Atting im Zuschauerbereich und haderten. Denn die Chancen waren da. Hätten sie diese im zweiten Drittel konsequenter verwertet, wäre zum Bundesligaauftakt mehr herausgesprungen als nur ein Punkt beim 4:5 nach Penalty-Schießen (1:1, 3:1, 0:2, 0:1).
Und einerseits konnten sich die Wölfe sogar glücklich schätzen, dass sie in einer turbulenten Schlussminute nicht auch noch eine Niederlage nach regulärer Spielzeit kassierten, andererseits hatten sie auch bis 121 Sekunden vor dem Ende mit 4:3 geführt. Kapitän Fabian Hillmeier kommentierte es niederbairisch pragmatisch: „Das ist jetzt ein Punkt, des passt scho.“ Und Trainer Markus Alzinger pflichtete ihm bei. „Jeder Punkt ist wichtig.“
Vier Dinge hatte sich der Coach während der Partie auf seinem Zettel notiert, die beim nächsten Mal (21. März gegen Krefeld) besser zu machen sind: Neben der Chancenverwertung auch die Passsicherheit, das Umschaltspiel und die Zuordnung. „Wir haben aber heute eine sehr gute Partie abgeliefert, wir waren über weite Strecken sehr gut in der Defensive. Man darf nicht vergessen, dass Bissendorf letztes Jahr im Halbfinale war und hier heute mit dem fast kompletten Kader angetreten ist.“
Hillmeier brachte die Attinger in der siebten Minuten mit einem Fernschuss in Überzahl mit 1:0 in Führung, Nationalspieler Tim Strasser glich ebenso im Powerplay in der zwölften Minute aus. Der 1:1-Zwischenstand zur Pause war gerechtfertigt. Und auch die schnellen Attinger Treffer durch Christian Prasch (25., er mogelte einen Schuss von der Bande zwischen Pfosten und Schiene von Goalie Marc Schüddekopf hindurch) und Moritz Eisenschink (26., per Fernschuss) waren verdient. Denn Atting war nun am Drücker. Maximilian Sauermilch, Robert Altmann oder auch Martin Dengler hatten immer wieder Chancen. Dengler konnte nur selbst mit dem Kopf schütteln, als er auf die Bank zurückkehrte. Kurz zuvor hatte er das leere Tor verfehlt. Auf der Gegenseite hatte Attings Goalie Marco Feiertag einen Schuss in der 32. Minute mit der Kelle von der Linie gekratzt – gäbe es TV-Highlights, der Save wäre dabei.
Nach Hillmeiers 4:1 (38.) spielten die Gäste bei einem Konter ihre ganze Klasse aus: Schneller Gegenzug, Fake-Pass von Ole Schmieta in Schlagschuss-Manier auf den frei stehenden Strasser und es stand 2:4. Man sah den Attinger an, wie sehr sie das Tor wurmte.
Hatte Bissendorf noch im zweiten Drittel etwas gehemmt gewirkt, gaben sie nun Gas: Als in der 44. Minute je zwei Spieler auf die Strafbank mussten, witterten die Attinger zwar das Unheil, konnten es aber nicht verhindern: Jean-Lennert Reckert lief auf und davon und erzielte das 3:4. Mehr als eine Minute hatten die Attinger zuvor bei drei gegen drei den Ball gehalten, dann kamen die Gäste aber doch durch. „Die haben die drei Nationalspieler rauf geschickt, da darfst du den Ball nicht verlieren“, analysierte Hillmeier die Gefährlichkeit von Strasser, Reckert und Niklas Pilz.
Es wurde hektischer, aber es blieb fair. Atting war nun offensiv zwar bemüht, aber weitgehend blass. Zwei Bissendorfer holten sich Blessuren als sie Schüsse blockten, IHC-Betreuer Manfred Lermers Eisspray war mehrmals gefragt. Auf der anderen Seite agierte Feiertag weiterhin überragend. Auch kurz vor dem 4:4. Erst der zweite Nachschuss von Reckert war drin. Vorausgegangen war ein Attinger Wechselfehler. Auch der wurmte enorm. Und mitten in die Hektik hinein hätte Bissendorf beinahe aus ähnlicher Position noch das 5:4 gemacht, was gemeinsam aber verhindert wurde. Im Penalty-Schießen vergaben Hillmeier und Sauermilch, Strasser und Reckert trafen. Immerhin ein Punkt blieb den Attingern also. Es hätten auch drei werden können.
Atting: Feiertag (Urfell) – Hillmeier (2/0), Kettl, Altmann, Alzinger, Dengler (0/1), Eisenschink (1/0), A. Ernst, J. Ernst, Hackl, Lermer, Meichel (0/1), Prasch (1/1), Sauermilch (0/1), Schwarzmüller;
Schiedsrichter: Häringer (Gärtringen), Poferl (Bräunlingen); Strafminuten: Atting 6, Bissendorf 6; Zuschauer: 210.