Samstag, 20.32 Uhr, Krefeld. Fabian Hillmeier fährt hinter das Attinger Tor, wartet, bis die Sirene ertönt und jubelt als Erstes mit seiner Torhüterin Magdalena Ernst. Dann kommt schon der Rest der Wölfe und fällt der Torhüterin um den Hals. Es ist vollbracht: Mit einem 7:6-Erfolg (3:4, 2:2, 2:0) bei den Bockumer Bulldogs im zweiten Finale haben sich die Attinger Wölfe den Meistertitel der 2. Sktarhockey-Bundesliga gesichert und kehren schon nach einem Jahr wieder in die 1. Bundesliga zurück.
Und Hillmeier nimmt seine Torhüterin auch zehn Minuten später nach dem Empfang des Pokals beiseite, fährt mit ihr ein paar Meter zurück und präsentiert die goldene Trophäe dann zusammen mit ihr seinen Teamkollegen, bevor beide in der Jubeltraube verschwinden, aus der dann Ernst wieder mit dem Pokal herauskommt, um ihn als Erste den Attinger Fans zu präsentieren.
Nicht nur Hillmeier, auch der Rest der Wölfe weiß, was sie in diesen knapp zwei Stunden Final-Fight an ihrer Torhüterin hatte. Besonders in einer Drangphase der Bulldogs zu Beginn des zweiten Drittels und im gesamten Schlussdrittel ist Ernst, die in beiden Finals den erkrankten Marco Feiertag vertreten musste, eine sichere Bank. „Magda war heute einfach brutal stark – und wir waren ein mega Team“, lobt der glückliche Trainer Markus Alzinger wenig später.
„Ich habe jetzt schon viele Spiele mit erlebt, aber ein solches war auch noch nicht dabei“, sagt Hillmeier. „Der Spielverlauf war krass.“ Denn die Partie hatte denkbar schlecht begonnen. Nach nicht einmal der Hälfte des ersten Drittels ist der Drei-Tore-Vorsprung aus dem Hinspiel (10:7) weg, Bockum führt mit 3:0. Doch nach einer Auszeit mit Ansage von Coach Alzinger ist es das bekannt starke Überzahlspiel, das die Wölfe zurück ins Spiel bringt. Zwei Schüsse von Playoff-Top-Scorer Florian Meichel (15./16.), zwei Tore – 2:3. „Das war die gesamten Playoffs eine unserer großen Stärken“, lobt Hillmeier. Am Drittelende steht es 3:4. Alles ist offen.
Nun kommt die erste schwierige Phase – auch weil die Wölfe Strafen kassieren. Doch Ernst hält, begeistert die rund 25 mitgereisten Attinger Fans, die auf der vollen Tribüne kräftig anfeuern. „Kämpfen, Atting kämpfen“, schreien sie. Atting übersteht die bangen Minuten, kommt danach durch schöne Tore zweimal sogar zum Ausgleich und hat die Chance, gegen Ende des Drittels sogar in Führung zu gehen. Doch ein Defensivfehler kurz vor dem Ende bringt Bockum das 6:5.
Kommt nun die Schlussoffensive der Bulldogs? Sie kommt. Doch Atting zeigt sich bärenstark in der Defensive und hat wie schon in den vorherigen Spielen die nötige Kondition und auch Abgeklärtheit. Ernst pariert zweimal klasse mit der Fanghand (42./47.), den Rest blockt die Defensive weg. Auch eine gebrochene Scheibe der Bandenbegrenzung, die von den Hallenmeistern binnen weniger Minuten unter Applaus ausgetauscht ist, sorgt nicht für Unruhe.
Viel mehr bringen die Wölfe Ruhe ins Spiel. So wie sie das schon Ende des zweiten Drittels tun. Wenn es sein muss, drehen sie ab oder spielen den Ball tief. „Wir wollten das auch so“, sagt Hillmeier. „Wir wussten, dass es nicht gut ausgeht, wenn wir Wild-West-Hockey spielen.“ Und als Robert Altmann in der 53. Minute mit einem Bauerntrick das 6:6 besorgt – sein zweites Tor nach dem 4:4 – ist erst einmal Stille in der Halle. Bockum ist geknackt. „Das 6:6 war entscheidend“, sagte Hillmeier. „Wenn Bockum hier das 7:5 erzielt hätte, wäre es noch einmal eng geworden“, sagt Hillmeier. „Jeder hat sich einfach nur noch in alles reingeworfen.“
Zwei Minuten vor dem Ende nehmen die Bulldogs den Goalie vom Feld, nicht einmal 20 Sekunden später ist der Deckel drauf. Tobias Hackl, der schon die Tore zum 3:4 und 4:4 erzielt hatte, erkämpft sich den Ball, belohnt seine starke Leistung mit dem Hattrick zum 7:6 und seine Mannschaft mit dem am Ende auch verdienten Sieg, den Hillmeier und Meichel in der Schlussminute locker nach Hause spielen können, weil Bockum sich noch eine Strafe abholt.
Nach 2013, 2019 und 2022 ist es der dritte Meistertitel der gesamtdeutschen 2. Bundesliga für die Wölfe, die nun überraschend schnell die Rückkehr in die Beletage des Skaterhockeys geschafft haben und dort im Frühjahr 2026 in ihre insgesamt siebte Erstligasaison der Vereinsgeschichte starten.
Atting: M. Ernst (Urfell) – Hillmeier (0/1), Kettl (0/1), Altmann (2/0), Dengler, Hackl (3/0), A. Ernst (0/1), Meichel (2/0), Alzinger (0/1), Lermer, Prasch (0/1), Sauermilch (0/1), Rothhammer;
Schiedsrichter: Bothe (Oberhausen), Pluschkell (Krefeld); Strafminuten: Bockum 8, Atting 6; Zuschauer: 280.