(mb) Die Stadionuhr zeigte 59:59. Maximilian Sauermilch fiel dem jubelnden Alexander Ernst in die Arme und riss ihn um. Die Fans in der mt-propeller-arena sprangen begeistert auf, die Attinger Spielerbank explodierte förmlich. Ernst hatte gegen die Köln Rheinos mit seinem Tor zum 6:6 gerade ein sensationelles Comeback perfekt gemacht.
Und das wurde noch sensationeller. Denn Sauermilch sorgte mit dem einzig verwandelten Penalty dafür, dass die Wölfe am Ende als 7:6-Sieger (1:1, 2:2, 3:3, 1:0) vom Feld gingen und mit sechs Punkten aus den ersten drei Heimspielen einen starken Auftakt in die neue Erstliga-Saison hingelegt haben.
„Wahnsinn“, sagte Trainer Markus Alzinger danach. „Ich habe erst auf die Stadionuhr geschaut und dann auf die Schiedsrichter“, sagte er zur Situation beim 6:6. Als er sah, dass das Tor zählte, packte er die berühmte „Becker-Faust“ zum Jubeln aus. Sauermilch war zuvor, als weniger als zehn Sekunden auf der Uhr waren, mit enormem Druck in eine Kölner Befreiungsaktion gelaufen, hatte den erkämpften Ball mit einem No-Look-Pass in die Mitte zu Christian Prasch gepasst, der weiter zum besser postierten Ernst legte. Dessen Schlenzer fand den Weg durch die gesamte Kölner Defensive nebst dem zuvor fantastisch haltenden Maximilian Kreutz ins Netz.
Dass der neben dem dreifachen Torschützen Florian Meichel wieder einmal enorm auffällige Sauermilch (vier Punkte) im Anschluss den einzigen Penalty des Nachmittags verwandelte, passte. Wenige Minuten zuvor war er nach einem heftigen Check noch liegen geblieben. Als die Wölfe jenes Powerplay ab Minute 54 beim Stand von 4:6 gegen giftige, stark forecheckende und enorm temporeiche Kölner nicht verwandeln konnten, hatten nur wenige noch mit Punkten gerechnet.
Doch es folgte jene Dramatik, wie man sie schon einmal, im Sommer 2023 erlebt hatte: Damals drehten die Wölfe ein 0:4 gegen Krefeld ab Minute 45 in ein 7:5, auch damals traf Ernst entscheidend. Diesmal war es zunächst Lukas Alzinger, der bei gezogenem Torhüter bei 57:36 mit einem verwandelten Abpraller für das 5:6 sorgte, das vermeintliche 6:6 durch Fabian Hillmeier weniger als 60 Sekunden vor dem Ende fand zu Recht wegen hohen Stocks keine Anerkennung. Doch Ernst hatte ja noch den finalen Schuss ins Glück im Gepäck.
So durfte auch Attings scheidender Bürgermeister Robert Ruber, der vor dem Spiel vor zahlreichen Ehrengästen, darunter der neue Landrat Tobias Beck, zum Ehrenmitglied ernannt wurde, so jubeln, wie er sich das vor dem Spiel vorgestellt hatte. Unter seiner Regie war bis 2018 die heutige mt-propeller-arena gekauft und ausgebaut worden. Seither feierte der Verein zahlreiche nationale und internationale Erfolge.
Mit sechs Punkten aus drei Spielen haben die Wölfe aktuell einen Mittelfeldplatz in der 1. Bundesliga. Nun müssen sie in fünf Auswärtsspielen am Stück, das erste kommenden Samstag in Augsburg, zeigen, dass sie auch außerhalb der eigenen Halle bestehen können. Das nächste Heimspiel steigt erst am 20. Juni gegen Duisburg.
Atting: Feiertag (0/1); Hillmeier (0/1), Kettl (0/1), Altmann, Alzinger (1/0), Dengler, Eisenschink, A. Ernst (1/0), Hackl, Lermer, Meichel (3/1), Prasch (0/1), Sauermilch (2/2), Schwarzmüller;
Schiedsrichter: Härle (Bad Friedrichshall), L. Bogdanski (Deggendorf); Strafminuten: Atting 10, Köln 14; Zuschauer: 230.